Der Einladung zu Beiträgen für die 10. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival möchte ich gern folgen. Die Fragestellung im Zeitraum 1. Dezember bis 31. Januar lautet:
Beschreiben Sie einfach Ihre Online-Erfahrungen, ganz gleich, ob Sie live und synchron im Netz kommuniziert, gelernt oder gearbeitet haben.
Gastgeber des 10. WissensWert Blog Carnival sind Andrea Back und Jochen Robes.
Welche Erfahrungen haben Sie mit Veranstaltungen gemacht, an denen Sie live im Netz teilgenommen haben?
In den letzten drei Jahren habe ich praktische Erfahrungen mit Online-Seminaren als Hörer oder Lerner gesammelt. Seit Kurzem kann ich auch etwas über die Lehrerseite berichten.
Die Seminare wurden in virtuellen Klassenzimmern durchgeführt und waren meist als Ergänzung von Lernprozessen gedacht. Entweder musste ich mich im Vorfeld auf ein Thema vorbereiten oder das Seminar war die Auftaktveranstaltung zur Bearbeitung eines neuen Themengebietes. Alle Seminare waren sinnvoll, da:
- die Lerner an verschiedenen Wohnorten lernten,
- sie wurden zur Unterstützung des Selbslernprozesses durchgeführt und
- basierten auf standardisierten Lerninhalten.
In den virtuellen Klassenräumen kamen verschiedene Medien zum Einsatz. Die Dauer der Seminare war den Themen angepasst und betrug meist nicht mehr als 90 Minuten. Alle Teilnehmer nutzten die angebotenen Veranstaltungen zur persönlichen Weiterbildung und waren somit motiviert etwas zu lernen. Die Kommunikation stellte sich manchmal als problematisch dar, da nicht alle Lerner die gleiche Mediennutzungskompetenz besaßen. Die Art der Seminare (Vortrag, Diskussion, gemeinsames Erarbeiten eines Themas) hatte auch einen großen Einfluss auf die Mitarbeit meinerseits. Am schwierigsten fand ich,wenn der Referent nur einen Vortrag hielt. Hier traten nach einer gewissen Zeit “Ermüdungserscheinungen” bei mir auf. Die Gefahr etwas anders zu tun und nur auf den Sprechen zu hören war sehr groß.
Seminare bei denen ein ständigen Medienwechsel stattfand und die Mitarbeit gefordert wurde, empfand ich als sehr angenehm. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass es bei allen Seminaren keine abschließenden Wissenstests gab.
Ob es bei reinen Vorträgen günstiger ist, das Rednerskript vorliegen zu haben oder nicht, stößt bestimmt auf geteilte Meinungen. Diese Einstellung seitens der Lernenden kenne ich auch aus Präsenzveranstaltungen. Wie aufwendig die Vorbereitung eines Online-Seminar war mir bis dato noch nicht klar. Natürlich könnte man Parallelen zum Frontalunterricht ziehen, aber erst die Auseinandersetzung mit dem Thema “Online-Seminar” als Tutor brachte mir die Erklärung.
Wer selbst ein Online-Seminar als Veranstalter oder Tutor durchführt weiß, dass es nichts ist was man im “Vorbeigehen” erledigt. Die Auffassung Online-Seminare seien nicht so arbeitsintensiv wie Präsenzseminare ist weit hergeholt und kann nur von Personen stammen die noch nie ein Seminar durchgeführt haben.
Woher nehme ich diese Überzeugung?
Durch ein Online-Seminar mit dem Thema “Virtuelle Klassenzimmer” und der Erarbeitung eines eigenen 7 Minuten Beitrages. Die Vorbereitungsstunden habe ich nicht gezählt und es war auch noch sehr viel unprofessionalität dabei. Wie lang hätte die Vorbereitung von 90 Minuten gedauert?
Eine kleine Gegenüberstellung zwischen Online- und Präsenzseminar soll das Grundgerüst für die Antwort darstellen. In beiden Fällen muss der Lehrende fachliche Kompetenz besitzen. Die didaktische Planung zeigt jedoch schon Unterschiede. Durch die fehlende Face-to-Face Kommunikation muss der Lehrende mehr die Länge des Vortrages genau abschätzen, mehr motivierende Elemente einbauen und ein ständiges Feedback von den Lernenden abfordern. Was muss der Lernende Hören, Sehen und Machen ohne unterfordert oder überfordert zu werden?
Online-Seminare sollten nicht nur von einer Person durchgeführt werden. Die zweite Person, der Co-Tutor, übernimmt mit seiner unterstützenden Funktion eine große Rolle. In dem sich der Vortragende auf seine zu vermittelnden Wissensinhalte konzentriert, betrachtet der Co-Tutor die zur Verfügung stehenden Kommunikationskanäle (Chat oder Feedback). Die Technik und die Mediennutzung spielen bei Online-Seminaren ebenfalls eine entscheidende Rolle. Hier ist es auch zweckmäßig, wenn eine oder zwei Personen im Hintergrund agieren.
War alles nur schlechter Ersatz?
Diese Frage wird mit einem klaren “Nein” beantwortet. Es könnte jedoch dazu kommen, wenn:
- von dem Lehrenden gefordert wird eine zweistündige Präsentation mit Folien “abzuspulen”,
- es keinen Möglichkeit gäbe, Fragen über einen Chat-Kanal oder per Voice-Verbindung zu stellen,
- es keine Auflockerungen, wie z.B. Videoeinblendungen oder Sprecherwechsel gäbe
Kurz gesagt, nur die Online-Version einer “schlechten” Präsenzvorlesung ist. Die es ja auch geben soll.

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